Reizthema T5 Baumcaches, es ist 5 vor 12 um einen Flächenbrand zu verhindern!

Heute komme ich der Bitte eines guten Freundes und Kollegen nach ein Paar nachdenkliche Worte zu T5 Klettercaches zu veröffentlichen die er geschrieben hat.

 

Nachdem mich jetzt doch immer mehr Anfragen zu diesem Thema T5- Baumcachen erreichen möchte ich mal ein paar grundsätzliche Worte loswerden, die das ein oder andere doch transparenter machen.

Um das vorweg klarzustellen, ich bin ein begeisterter T5-Cacher und würde es zutiefst bedauern wenn dem Thema offiziell ein Riegel vorgeschoben wird.

Ich befasse mich schon seit langem mit dem Thema und hab viel Kontakt zu verschiedenen Geocachern, Behörden und Forstämtern und hier wir deutlich dass das Unwissen auf beiden Seiten doch sehr hoch ist.

Wichtig ist, und das wurde in vielen Bereichen explizit erkannt, der offene Dialog zwischen den einzelnen Parteien. Wie heißt es so schön: Wer redet dem kann geholfen werden! Je offener und transparenter der Dialog geführt wird, desto größer sind die Chancen gehört, verstanden und vor allem nachhaltig akzeptiert zu werden.

Ich möchte an der Stelle betonen dass das was ich da schreibe meine eigene Meinung ist und natürlich zur Diskussion offen steht. Ich möchte auch nicht den mahnenden Lehrerhaften Finger heben, nein ich möchte nur sensibilisieren und zum Nachdenken anregen. Durch viele Kontakte in beide Richtungen möchte ich hier ein neutrales, objektives Bild zu diesem Thema darstellen was aus meiner Sicht für alle gut vertretbar ist.

Liebe Cachergemeinde eines zur Klarstellung und da sollten wir uns alle an die Nase fassen, der Wald und die Bäume gehören nicht uns! Wir wollen dort unser Hobby ausüben, haben aber parse kein Anrecht darauf unsere Caches in Bäumen auszulegen. Ich glaube das wird immer mal gerne vergessen bzw. unbewusst verdrängt weil der Baum XY der Baum des Jahrhunderts ist und unbedingt beklettert werden muss. Und da ist es völlig egal was einige Schriften dazu sagen oder nicht.
Groundspeak sagt zum Beispiel ganz klar dass einen Genehmigung des Eigentümers vorliegen muss! Punkt! Das sind unsere Spielregeln und das bestätigen wir mit der Weiterleitung des Listings an den Reviewer. Der Eigentümer kann uns eine Genehmigung erteilen, er muss aber nicht und wir haben kein Anrecht darauf!
Deswegen der Dialog und Transparenz.

Wer eine Genehmigung will muss seine Hausaufgaben machen und diese auch seinem Gegenüber auf Augenhöhe argumentieren können!

Umweltschutz und Naturverträglichkeit:
Das Naturschutzgebiete tabu sind ist hinlänglich bekannt und muss auch nicht weiter ausgeführt werden. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass der Baum ein sensibler, komplexer und schützenswerter Lebensraum ist! Und das ist vielen gar nicht bewusst, denn in welche Bäume wollen wir denn, genau die großen alten weil die am schönsten sind.

Ich beginne mal mit der Brutzeit:
In der Baumpflege gibt es z.B. eine klare gesetzliche Regelung dass invasive Eingriffe in den Baum vom 1. März bis 31.September verboten sind. Das hat aus seinen Berechtigungsgrund. Ich sage es salopp wir wollen ja auch nicht dass uns jemand ins Nest schaut und uns in unserer Privatsphäre stört. Ich möchte mal Eure Augen sehen wenn am Sonntagnachmittag plötzlich jemand im Garten steht und eine Dose sucht.

Das direkte Wurzelumfeld:
Sehr sensibel, da der Baum ja bekanntlicher Weise das Wasser und Nährstoffe über die Wurzeln aufnimmt. Wenn jetzt dauernd große Gruppen von Cachern im direkten Umfeld des Baumes laufen betreiben wir massive Bodenverdichtung, das bedeutet für den Baum dass die Feinwurzeln in der harten Erde keine Chance haben und der Baum Versorgungsmangel erleidet. Ein bedrückendes Beispiel habe ich in einem Kletterpark in ganz altem Buchenbestand gesehen. Hier war der Boden so verdichtet dass die alten 30m hohen Buchen im Sommer bis zu 25cm dicke Äste abgeworfen haben.

Die Rinde:
Gerade bei dünnborkigen Laubbäumen ist das sehr zu beachten. Die Nährstoffversorgung des Baumes geschieht über das sogenannte Kambium. Das ist die wichtigste Schicht des Baumes und diese liegt direkt unter der Rinde. Wird diese durch häufigen unsachgemäßen Seileinbau beschädigt, kann das direkte negative Auswirkung auf den Baum haben.

Ich habe jetzt mal aus meiner Sicht die drei wichtigsten Punkte zu dem Thema zusammengefasst. Summ Ergo was bleibt für uns als Cacher/ Owner zu tun:

Ich empfehle dringend alle T5er in Premium Caches umzuwandeln. Es hat den Vorteil dass der Besucherstrom geringer und somit der Baum nachhaltig geschützt wird.
Wechselt öfter die Cache-Bäume. Somit wirke ich einer massiven Bodenverdichtung automatisch vor.
Sucht den Dialog mit den Forstämtern und Waldbesitzern, sprecht ab welche Bäume Tabu sind und wo es möglich ist. Ich bin sicher man hilft gerne! Ich habe bis Dato mit unserem Revierförster nur gute Erfahrung gemacht. Und wenn es mal NEIN gibt dann akzeptiert es auch.
Je mehr Wissen Ihr zu dem Thema zu bieten habt und Profund dazu argumentieren könnt desto einfacher ist es einen Baum zu T5er zu machen.
Respektiert die Brutzeit, wir haben als Owner die Möglichkeit der temporären Disabelns. Nutz es und vermerkt es im Listing. Damit habt Ihr schon mal ein schlagendes Argument mehr warum ihr verantwortungsvoll handelt.
Ausbildung ist alles und dazu gehört der Einbau eines vernünftigen Kambiumschoners in den Baum bevor ich aufsteige. Geht mit gutem Beispiel voran. Je mehr es machen desto größer ist die Akzeptanz bei Anderen. Schreibt auch dass ins Listing.

Der Rechtliche Aspekt und seine Folgen:

Grundsätzlich reden wir von einem Freizeitsport mit eigenem Risiko und dabei prinzipiell von eigener Haftung! Doch was passiert im Falle eines Unfalls? Wer muss dafür haften? So pervers es jetzt klingen mag in diesm Fall geht es nicht in erster Linie um den Verunfallten sondern um die Tatsache des Lieben Geldes und der damit verbundenen Schadensabwehr. Schadensabwehr bedeutet wer zahlt im Endeffekt den entstandenen Schaden. Der Geschädigte, die Krankenkasse, der Besitzer oder gar der Owner?

Bei Lappalien bezahlt die Krankenkasse ohne große Worte, Krank ist krank. Punkt! Im Regelfall wird ja auch nicht erwähnt was passiert ist.

Und jetzt liebe Cacher kommt der SUPERGAU den ich gerne mal an einem fiktiven Beispiel beschreiben möchte.

Sonntagmittag in einem schönen Waldstück…. Es kommt zu einem schweren Absturz eines T5-Cachers aus 20m Höhe… Die Folgen: schwerste Wirbelsäulenverletzungen mit Lähmung der unteren Extremitäten. Rettungsdiensteinsatz mit Hubschrauber, mehrmonatiger Krankenhausaufenthalt, mehrjährige Reha, Lebenslang an den Rollstuhl gefesselt…. Weiter brauche ich das nicht auszuführen. Wir reden hier von Personenschäden die schnell in den Millionenbereich gehen.

Resultat: Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln, der Schuldige wird gesucht und der muss die Kosten tragen.

Die Herren machen jetzt ein großes Fass auf: Wieso ist dort geklettert worden, wer ist der Eigentümer, wer hat den Cache gelegt, was ist die Unfallursache usw. und so fort….. Hier wird eine Maschinerie in Gang gesetzt die auch Folgen für uns haben kann! Es sei denn wir haben als Owner unsere Hausaufgaben gemacht.

Wir als Cacher haben Auflagen und Spielregel an die wir uns halten müssen, egal ob T1 oder T5!

Ich spreche hier wie schon eingangs erwähnt von Vorgaben Groundspeak, Genehmigung durch den Besitzer etc.

Was sind die Hausaufgaben als Owner:

Genehmigung einholen!
Eine Gefährdungsermittlung machen!
Das heißt alle möglichen Risiken abwägen und minimieren!
Also ganz klar ist hier ein gesunder Habitus und die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes.
Hat der Baum Pilz- oder Schädlingsbefall, oder große Mengen Totholz in der Krone, gibt es sogenannte Unglücksbalken.
Regelmäßige dokumentierte Kontrollen oben genannter Schadensmöglichkeiten.
Totholzentfernung aus dem Kletterbaum. Hierzu gibt es das „Saarbrücker Urteil“ dass klar darauf verweist dass Totholz in sensiblen Bereichen des Waldes z.B. stark begangenen Premiumwanderwegen zu entfernen ist und der Besitzer für Schäden daraus haftet.
Bin ich als Owner fachlich und sachlich in der Lage oben genannte Risiken zu erkennen und zu minimieren.
Habe ich im Listing auf Gefahren, profunde Ausbildung, richtige Materialauswahl und umsichtiges Handeln hingewiesen.

Fazit:

Wenn ich als Owner einen solche Cache lege, geht der Gesetzgeber im Schadensfall von der sogenannten Vermutungswirkung aus, d.h. er vermutet der Owner ist entsprechend Sach- und Fachkundig oben genannte Risiken abzuwägen und einzuschätzen. Haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und alles regelmäßig kontrolliert und für den evtl. Schadensfall dokumentiert, sehe ich keine bzw. nur noch eine geringe Möglichkeit der Haftung für Owner und Besitzer.

Habe ich das nicht gemacht und im schlimmsten Fall stellt die Staatsanwaltschaft fest dass ich einen kranken Baum ausgewählt habe dann ist die Chance rechtlich belangt zu werden sehr groß! Denn als Owner animiere ich andere Cacher diesen Baum zu besteigen und bin mir willentlich Bewusst darüber was ich da tue. Und damit stehen wir mit unserem Handeln in der BÜTT. Das bedeutet im schlimmsten Fall schwedische Gardinen für den Owner. Aus meiner Sicht ist es aktuell nur noch eine Frage der Zeit bis der erste Owner belangt und verurteilt wird.

Deswegen kümmert Euch, macht Eurer Hausaufgaben um diesen Fall auszuschließen. Wenn ich einen T5er auslege bin ich als Owner für das Objekt der Begierde in Bezug auf die Hardfacts verantwortlich und da gibt's nichts zu rütteln.

Und nochmal in aller Deutlichkeit da hilft auch kein HAFTUNGSAUSSCHLUSS, denn Unwissenheit schützt vor Strafe nicht! Wir sind für die Auswahl des Baumes verantwortlich und damit automatisch für Diejenigen die wir dazu animieren!
Wir sind als Owner jedoch nicht für das Handeln oder Unvermögen der Kletterer verantwortlich.

Bitte, bitte bedenkt und beachtet dass das Reizthema T5 sich gerade als Flächenbrand entwickelt und nur mit viel Dialog und beiderseitigem Entgegenkommen zu stoppen ist.
Ich schreibe das nicht einfach mal so, als Baumpfleger und Industrieklettermeister habe ich täglich mit der Thematik zu tun. Ich hoffe ich konnte mit der Übersicht für den ein oder anderen nochmal Klarheit schaffen und zum Nachdenken anregen.

Unser Ziel ist es doch, die Natur und den Baumcache der Nachwelt zu erhalten und allen damit viel Freude und keine Sorgen zu bereiten.

Gruß Peter

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